Die Leinwand der Kreativität: Makizushi – Struktur und Moderne der Sushi-Rolle
Wer im 8. Stock des kybun Towers in Roggwil aus dem Fenster blickt, sieht die Weite der Landschaft. Wer jedoch auf seinen Teller blickt, sieht das Ergebnis jahrtausendelanger kulinarischer Evolution. In unserer MillTower Masterclass haben wir bereits die Präzision des Nigiri und die feine Etikette von Gari und Wasabi dekonstruiert. Heute widmen wir uns der Kategorie, die Sushi weltweit zum Superstar gemacht hat: den Rollen – oder fachsprachlich: Makizushi.
„Maki“ bedeutet schlicht „Rolle“. Doch hinter diesem einfachen Wort verbirgt sich eine Welt aus Geometrie, Physik und kultureller Anpassung. Warum gibt es dicke und dünne Rollen? Und wie hat ein kleiner psychologischer Trick in Nordamerika die Art, wie wir heute essen, für immer verändert?
In der Küche von Chef de Cuisine Satoshi Shibamura ist jede Rolle ein geplantes Bauwerk. Satoshi, der die Disziplin seiner Zeit als Profi-Baseballer (u.a. bei den Zurich Lions) in die Gastronomie mitgebracht hat, weiss: Ohne das richtige Fundament stürzt der Geschmack ein.
Das Hosomaki (wörtlich: „dünne Rolle“) ist die minimalistische Variante. Mit einem Durchmesser von nur etwa 2,5 bis 3 cm besteht sie aus einem halben Nori-Blatt, Shari (Essigreis) und meist nur einer einzigen Zutat.
Warum heißt die Thunfischrolle eigentlich Tekkamaki? Hier treffen wir auf ein Stück faszinierender Geschichte: „Tekka“ bedeutet „glühendes Eisen“. Das bezieht sich nicht nur auf die rote Farbe des Thunfischs, sondern auf die japanischen Glücksspielhöhlen (Tekkaba) der Edo-Zeit. Die Spieler dort suchten nach einem Snack, den man mit einer Hand essen konnte, ohne die Spielkarten mit klebrigem Reis zu beschmutzen. Das Hosomaki war das originale „Casino-Fingerfood“ Japans!
Am anderen Ende des Spektrums steht das Futomaki („dicke/fette Rolle“). Mit einem Durchmesser von bis zu 6cm bietet es Platz für eine vielschichtige Geschmacksarchitektur. Hier kombiniert Satoshi Texturen und Aromen – von cremigem Tamagoyaki (unserem legendären japanischen Omelett) bis hin zu knackigem Saisongemüse.
Was hat es mit dem Glücksritual der Ehomaki auf sich? Futomaki spielen eine Hauptrolle beim jährlichen Frühlingsfest Setsubun. Man isst dann eine ganze Ehomaki (Glücksrolle) in vollkommener Stille.
Das Temaki ist der informelle Rebell der Familie. Diese Tüte aus Nori wird ohne Bambusmatte von Hand gerollt und sieht aus wie eine Eistüte.
Darf man Temaki mit Stäbchen essen? Die klare Antwort lautet: Nein. Temaki ist das ultimative Social Food, das direkt mit der Hand gegessen wird. Wichtig: Ein Temaki muss sofort nach der Zubereitung verzehrt werden. Sobald das Nori Feuchtigkeit zieht, verliert es seinen „Snap“ – jenen Knusper-Effekt, den wir im MillTower so lieben.
Die wohl entscheidendste Wendung in der Sushi-Geschichte fand jedoch nicht in Tokio, sondern in Nordamerika statt. Das Uramaki (wörtlich: „Rolle von innen nach außen“) ist das Herzstück unserer Asian Fusion Philosophie.
In den 1960er Jahren, als Sushi begann, die USA und Kanada zu erobern, standen die Köche vor einem Problem: Viele westliche Gäste fanden die zähe Textur und das schwarze Aussehen des Seetangs an der Aussenseite „befremdlich“. Manche versuchten sogar, die Alge wie eine Verpackung abzuschälen.
Japanische Pioniere wie Ichiro Mashita in Los Angeles (oder laut anderen Quellen Hidekazu Tojo in Vancouver – der Streit der Erfinder tobt bis heute!) hatten einen genialen Einfall: Sie kehrten die Rolle um. Der Reis wanderte nach außen, und das Nori verschwand diskret im Inneren.
Der Archetyp des Uramaki ist die California Roll. Da fetter Thunfisch (Toro) damals in Kalifornien schwer zu bekommen war, ersetzte Mashita ihn durch Avocado. Die chemische Ähnlichkeit ist verblüffend: Die Avocado liefert das gleiche cremige, buttrige Mundgefühl wie hochwertiger Thunfischbauch. In Kombination mit Surimi und Gurke schuf sie eine Brücke, die westliche Gaumen sanft an die Welt des Sushi heranführte.
Im MillTower ist das Uramaki weit mehr als nur ein „Einsteiger-Sushi“. Es ist die Bühne für unsere Signature Specials wie den Firecracker oder die Ebi Tempura Roll.
Wir nutzen die Freiheit des Inside-Out-Formats, um mit regionalen Schätzen zu spielen. Unser Schweizer Alpin-Lachs aus Lostallo (Bündner Alpen) trifft hier auf moderne Techniken. Da dieser Lachs in reinem Bergwasser ohne Antibiotika aufwächst und oft nur wenige Stunden nach dem Fang bei uns eintrifft, bietet er eine Frische, die man in jeder Rolle schmeckt.
Wie verbindet der MillTower Tradition und Moderne? Unser Gründer Karl Müller III brachte 1979 die Seele der koreanischen Küche nach Roggwil. Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Präzision von David Joh (der die Küche als Labor für mathematische Aroma-Balance betrachtete) und der Handwerkskunst von Chef Satoshi haben wir einen Ort geschaffen, an dem „kybun“ – das angenehme Gefühl – auf dem Teller landet.
Lust auf eine architektonische Kostprobe? Ob Sie für einen schnellen Business Lunch aus St.Gallen kommen oder einen entspannten Abend mit 360°-Panoramablick planen: Entdecken Sie die geometrische Perfektion unserer Rollen.
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